Mittlerweile war ich auch schon einige male auf Deutschlands höchsten Berg - der Zugspitze (2963 m). Besser gesagt auf Deutschlands höchstem Karstplateau - dem Zugspitzplatt. Bei jedem Besuch standen (schnee)hydrologische Untersuchungen im Fokus und auch der Aufenthalt auf der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus bietet für Forscher die Möglichkeit in einem hochalpinen Gelände komfortabel zu hausen. So wie der Sommer im Juli und August bisher wettertechnisch verlief, so auch in den vergangenen Tagen. Dauerregen, Windgeschwindigkeiten bis 10 m/s und Lufttemperaturen von max. 6 °C zeigen, wie extrem die Wetterbedingungen im Sommer auf der Zugspitze sein können. Das Gute an diesen Bedingungen sind aber sicherlich die ausbleibenden Touristenmassen, die sonst an einem schönen Tag per Seilbahn oder Zahnradbahn von Garmisch auf die Zugspitze kommen.
Nichstdestotrotz lassen es sich Einige nicht nehmen, 51 Euro für einen kurzen Aufenthalt in einer hochalpinen Welt zu zahlen, trotz Regen und Nebel und Sichweiten von teilweise unter 20 Metern. Zum Glück beschränkt sich der Aktionsradius der Flipflop- und Tshirtträger auf das direkte Umfeld der Seilbahnstation und dem "Gletscherrestaurant" Sonnalpin (2595 m), in dem gerne eine frittierte Currywurst gegessen oder eine überteuerte Wollmütze gekauft wird, die ja mit viel Verstand und Wissen über die Bergwelt von den Touris im Tal gelassen wurde. Für die Extrembergsteigertouristen ist sogar ein Klettersteig auf dem Zugspitzplatt zu finden, der etwa 2 Meter Höhenunterschied auf 30 Meter Länge zurücklegt. Klettergerüste auf den heimischen Spielplätzen haben mindestens die gleiche Herausforderung... Zipfelbobfahren auf den Schneeresten des nördlichen Schneeferners (dt. größter Gletscher) bietet eine weitere Möglichkeit sich körperlich auszupowern. Unangekündigte Sprengarbeiten durch die bayerische Zugspitzbahn für eine schönere Skipiste im Winter und mehr Komfort für die Besucher sowie die Werbung eines bayerischen Automobilherstellers durch ein eingeflogenes Auto mit X-Drive System runden das Angebot am Sonnalpin ab.
Die Gegensätze könnten auf der Zugspitze nicht größer sein und dennoch ist die spektakuläre und schroffe Bergwelt faszinierend. Das schlechte Wetter nutzend (!?) machte ich mich vom Schneefernerhaus (2650 m) über eine steile Geröllhalde auf Richtung Gipfel, um endlich mit den Touris mitreden zu können, die gemütlich per Seilbahn auf den Gipfle fahren. Nach sportlichen 300 Höhenmetern aufgrund des niedrigen Sauerstoffgehaltes und knappen 30 Minuten später stehe ich auf der Terasse der Bergstation, die man unweigerlich überqueren muss, um auf den eigentlichen Gipfel zu kommen. Zwar fehlen die blau-weißen Wandermarkierungen hier oben, dafür weisen rießige Schilder auf den Gipfel hin. Ein kleines Türchen schützt die unerfahrenen "Bergsteiger" vor dem letzten Anstieg (seilversichert mit Trittstufen und Leiter) zum goldenen Gipfelkreuz. Dem Nebel sei Dank erkenne ich am Gipfelkreuz die Terrasse nicht mehr und unterhalte mich nett mit einem Bergsteiger, der von Grainau durch das Höllental an diesem Tag auf die Zugspitze gestiegen war. Schnell stellen wir fest, dass an der Zugspitze wohl eher der Weg das Ziel ist und nicht der eigentliche Gipfel. "I hab scho sämtliche Viertausender der Schweiz gmacht und um endlichen mitreden zu können, bin I heut halt mal da nauf...". Zwar nicht meine Worte, aber das selbe hab ich mir auch gedacht, als ich 15 Minuten später wieder die Geröllhalde zum Schneefernerhaus quere.
Dort angekommen freue ich mich auf die Erkundung des Kammstollen, der den direkten Kontakt mit Permafrost ermöglicht, von dem sicherlich kein einziger "Gipfelstürmer" etwas weiss. Auch von Deutschlands höchstem Boulder waren wir angetan und konnten sogar einen Teil des doch recht schwierigen Boulderproblems lösen (selbst benannt natürlich). Gelungenes Feierabendprogramm!

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