Sonst immer in den Alpen unterwegs und dieses Jahr zum ersten mal südlich des höchsten Gebirge Europas beim Wandern in den Cinque Terre! Übersetzt heißt Cinque Terre soviel wie fünf Dörfer, entlang eines etwa 12 km langen Küstenstreifens, der steil ins Mittelmeer abfällt und der Italienischen Riviera zugeordnet werden kann. Das gesamte Gebiet ist durch einen Nationalpark geschützt, was neben den grandiosen Meerblicken einen zusätzlichen Anreiz zum Wandern gibt. Aufgrund der südlichen Lage und der Klimabegünstigung durch das Meer, dienen die Cinque Terre bis weit in den Oktober als Erholungsort für viele Wanderer jeglichen Alters. Auch Theresa und ich wählten die letzte Septemberwoche als Reisezeit und wurden durch wärmere Temperaturen als zu Hause nach etwa 6 Stunden Fahrt empfangen. Als idealer Ausgangsort wurde der Campingsplatz Acquadolce in Levanto angesteuert (vgl. Bild).
Von dort aus können kostengünstig und schnell die Start- und Endpunkte der Wanderungen per Zug erreicht werden, die in aller Regel eines der Dörfer auf Meeresniveau sind. Als Cinque Terre - Neulinge, aber mit gewisser Bergerfahrung, wählten wir eine dreistündige Wanderung von Corniglia über Volastra nach Manarola. Auf 6,3 km Länge und in Summe 1013 Höhenmetern (507 Hm im Aufstieg) erstreckt sich der Wanderweg zum größten Teil in 300 m Höhe über dem Meer durch Waldbereiche und den großen Weinterassen um Volastra hindurch. Zu allererst gilt es 380 Treppenstufen vom Bahnhof nach Corniglia zu bewältigen, die erste Ausblicke auf die Steilküste ermöglichen.
| Blick nach Manarola |
| Rückblick auf Corniglia |
Trotz Wolkenbedeckung sind die Temperaturen warm und pünktlich nach unserem anstrengendem Aufstieg zeigt sich das erste mal die Sonne, die sich bis zum Ende des Tages immer mehr durchsetzt. Auf den schmalen Wegen durch die Weinterassen kommen uns Scharen von englischsprachigen Wanderern entgegen, die zwar alle ein iPad dabei haben, aber zum Teil doch recht leichtes Schuhwerk tragen und anscheinend kaum etwas zu Trinken dabei haben. Ganz im Gegensatz zu uns, die wir nach knapp zwei Stunden Wanderung Rast in Volastra vor der Wallfahrtskirche Nostra Signora de Saluta machen und im Schatten der Pinienbäume unsere Brotzeit genießen und den Weinbauern bei ihrer Arbeit zusehen. Der Abstieg nach Manarola gestaltet sich aufgrund der vielen Naturstufen steiler als der Aufstieg, dafür bietet er abwechslungsreiche Ausblicke auf das kleine Örtchen Manarola und einen schönen Abschluss der Wanderung durch die Weinterassen direkt an der Steilküste. Nach drei Stunden stehen wir am Bahnhof in Manarola und fahren zurück nach Levanto.
| Hoch oben über Monterosso |
Zwei Tage später entscheiden wir uns für einen "Klassiker" der Levanto-Wanderer von Monterosso nach Levanto. So sparen wir uns eine Zugstrecke und zudem die Zeit im Zug und den Tunneln, die sich nur für die Bahnhöfe öffnen. Mit 8,3 km Länge und 1020 Höhenmetern (511 Hm im Aufstieg) werden wir für diese Tour wohl mindestens genauso lange benötigen, wie für unseren Wandereinstieg zwei Tage zuvor.
Diese Wanderung zeigt ein komplett anderes Bild als die durch die Weinterassen. Der Aufstieg gestaltet sich zwar als ähnlich lang, doch bereits viel offener und zum Teil felsiger. Der Weg bietet immer wieder Tiefblicke die Steilküste hinab in verlassene Buchten. Aufgrund der langen Wegstrecke über Felsrippen- und platten ist diese Wanderung nur bei Trockenheit zu empfehlen. Die Offenheit im zum Teil lichten Pinienwald empfiehlt genügend Trinken und Sonnenschutz dabei zu haben. Trotz zahlreichen Mitwanderen können wir die Ausblicke auf das Meer sehr genießen, wobei sich die Suche nach einer passenden Brotzeitstelle als schwieriger als gedacht hinauszögerte. An einer Wegbiegung befindet sich der Pfad allerdings direkt in Meeresnähe und bietet eine herrliche Aussicht.
| Brotzeit mit Tiefblick |
Man sollte aber beachten, dass man sich 150 Meter über dem Meer befindet und deshalb nicht zu nah am Felsvorsprung stehen! Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch durch schattigen Wald und an Einzelgehöften vorbei erreichen wir unseren Campingplatz und lassen den Tag revue passieren.
Zwar haben wir am Abend zuvor alle Kässpätzle aufgegessen, dennoch sollten wir in den Genuss eines mehrstündigen Gewitters in der Nacht kommen, das uns pünktlich am Sonntagmorgen um 8:30 Uhr schier das Zelt wegspülte. Regenjacke und Bergstiefel mit GoreTex sowie die neue Regenhose sollen ja auch getestet werden! Spontan entschied ich mich Schlafsäcke und Reisetaschen ins Auto zu legen, was sich als doch recht sinnvoll erwies. Noch in voller Montur stiefelten wir Richtung Bahnhof, um den Tag sinnvoll zu nutzen. Ebenfalls ganz spontan entschieden wir nach Bonassola nördlich von Levanto zu fahren. Dort angekommen begrüßte uns die Sonne und auf dem Weg bergauf zogen wir möglichst viel unserer Regenkleidung aus und schützten uns zusätzlich durch Creme gegen die Sonne. Als Belohnung für unseren Tatendrang wurden wir mit herrlichen Ausblicken auf Levanto beschenkt und konnten diesmal ganz ohne fremde Wanderer die 1,5-stündige Wanderung von Bonassola nach Levanto genießen. Auf 3,5 Kilometern legten wir immerhin 160 Hm im Aufstieg und 170 Hm im Abstieg hin. Alle Bilder hierzu und weitere Impressionen der anderen Touren finden sich im PICASA-WEBALBUM.
Nach der abwechslungsreichen Zeit in den Cinque Terre und Levanto können wir auf drei ganz unterschiedliche und sehr zu empfehlende Wanderungen zurückblicken, die sicherlich durch zusätzliche Touren erweitert werden, wenn wir wieder kommen!
"Wanderfreunde sind wahre Freunde!"

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