Sonntag, 13. Oktober 2013

Bergsommer definitiv zu Ende!! - Kanisfluh Holenke

12. Oktober 2013, schlechtes Wetter am Bodensee, Neuschnee auf über 800 m, kühle Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und weit auseinander gehende Wetterprognosen - alles kein Grund, um nicht doch einen erlebnisreichen Tag in den Bergen zu verbringen. Die Gipfelschirmers an der Kanisfluh bei Mellau im Bregenzerwald. Tourziel: Holenke 2044 m. Lest mehr weiter unten!

Geplant war für dieses Wochenende eine Tour auf den Säntis (2502 m) im Appenzeller Land. Die erheblichen Neuschneemengen auf dem höchsten Gipfel der Ostschweiz und das unsichere Wetter versprechen uns keine angenehme und sichere Bergtour. Deshalb planen wir kurzfristig einen anderen Berg in Angriff zu nehmen. Nach kurzer Recherche stoßen wir auf die Kanisfluh, die aus mehreren Gipfeln besteht und uns schon mehrmals während der Anfahrt zum Paddeln der Oberen Bregenzer Ach aus dem Tal einen interessanten Anblick bereitete. Wir entscheiden uns für den höchsten der vier Gipfel, den Holenke (2044 m).
Unser Touraufstieg bringt uns nach Mellau (688 m), wo wir die Bergbahn Mellau bemühen uns Richtung Berg zu bringen. Es dauert nicht lange und wir sind auf knapp 1400 m an der Roßstellenalpe, der Bergstation der 4er Gondel. Schnell lassen wir das Skigebiet hinter uns, welches eine riesige Baustelle ist (Bau neue 8er Sesselbahn). Erster Stützpunkt ist die Kanisalpe von der wir erste Blicke ins benachtbarte Damülser Skigebiet und Mittagsspitze erhaschen. Der Schnee, ca. 10-15 cm, knirscht unter unseren Füßen und schon bald sind keine Fußspuren zu sehen - wir sind allein! Wir genießen die ruhige Stimmung zwischen den hohen, felsigen Gipfeln bei Sonne und ein paar Wolken. Je höher wir kommen, scheint es als ob sich hinter uns Nebel und Wolken breit machen und uns antreiben, weiter in die Höhe zu kommen.
Als das Gelände steiler wird, haben wir schnell im tieferwerdenden Schnee den Weg verloren und suchen uns unsere eigene Route. Nur kurze Pausen werden geduldet, weshalb wir auch schnell Höhenmeter machen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass das Querfeldeingehen Kräfte zehrend ist und stark an der Kondition nagt. 
Etwa 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfelgrats sehen wir endlich das Kreuz auf der höchsten Erhebung der Kanisfluh..... doch es ist noch soo weit weg. Trotz Sonne ist es etwas ungemütlich: Windgeschwindigkeiten von ca. 50 km/h, eine eisige Kälte die in die durchgeschwitzte Kleidung fährt und Nebel, der uns droht einzuholen. So leicht wäre umkehren... So schnell wären wir unterhalb der anderen Gipfel windgeschützt und könnten unser Mittagsvesper verzehren. Doch zum Glück sind wir zu zweit und können uns motivieren, weiter zu steigen. Wir wechseln uns ab, den Weg zu spuren. Der Schnee ist mindestens 25 cm tief und an verblasenen Stellen einen guten halben Meter. Bei jeder Kuppe ist das Gipfelkreuz kurz zu sehen und verschwindet wieder hinter der nächsten Kuppe. Der Weg scheint endlos zu sein, die Schritte werden kleiner..... Aber dann ist es endlich geschafft. Wir stehen am Gipfelkreuz. Die Freude ist groß, sind wir doch endlich mal die Ersten oben am Gipfel, und vielleicht auch die Einzigen. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Nach einer kurzen Rast, einem stärkendem Schluck und einem knappen Gipfelbucheintrag befinden wir uns schon auf dem Rückweg. Ohne Rücksicht auf Schnee in den Schuhen oder der Hose, laufen wir mit großen Schritten im tiefen Schnee den Grat hinunter, wo wir zwei Wanderer sehen. Enttäuscht frägt der eine uns, ob wir die Ersten waren? JA! Nervenaufreibend muss es sein in den Fußstapfen der Schnelleren aufzusteigen. 200 Höhenmeter unterhalb des Grates sehen wir eine weitere Wandergruppe, die ebenfalls unserem Weg an einer nicht ganz der Ideallinie entsprechendem Abschnitt nacheifert. Zugegeben, von oben ist der Weg woanders und vielleicht auch bequemer. Aber das sieht man leider erst von oben. Auf dem richtigen Weg queren wir unzählige Wildspuren (schon beim Aufstieg haben wir eine flinke Gämse gesehen).

Relativ froh sind wir und unsere Beine, als wir wieder auf dem Weg in Richtung Alpe sind. Die letzten Kilometer zur Mellauer Bergbahn sind auch schnell gemacht. Leider müssen wir feststellen, dass das Liftpersonal Probleme mit der Bahn hat und diese bereits seit einer Stunde steht. Nach einigen Anfahrversuchen fahren die Gondeln wieder ins Tal. Todesmutig steigen wir in eine der Gondeln und bangen wie noch nie an diesem Tag.....  bis ins Tal!

Schön wars und eine Wiederholung wert. Ganze 18,4 km Distanz (abzüglich der Berg- und Talfahrt immerhin noch 14 km), über 700 Höhenmeter (ohne Lift) und vom Parkplatz weg 4 1/2 h, das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von immerhin 4 km/h, inklusiv aller Pausen.

Picasa-Webalbum

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