12. Oktober 2013, schlechtes Wetter
am Bodensee, Neuschnee auf über 800 m, kühle Temperaturen knapp über dem
Gefrierpunkt und weit auseinander gehende Wetterprognosen - alles kein
Grund, um nicht doch einen erlebnisreichen Tag in den Bergen zu
verbringen. Die Gipfelschirmers an der Kanisfluh bei Mellau im
Bregenzerwald. Tourziel: Holenke 2044 m. Lest mehr weiter unten!
Geplant
war für dieses Wochenende eine Tour auf den Säntis (2502 m) im
Appenzeller Land. Die erheblichen Neuschneemengen auf dem höchsten
Gipfel der Ostschweiz und das unsichere Wetter versprechen uns keine
angenehme und sichere Bergtour. Deshalb planen wir kurzfristig einen
anderen Berg in Angriff zu nehmen. Nach kurzer Recherche stoßen wir auf
die Kanisfluh, die aus mehreren Gipfeln besteht und uns schon mehrmals
während der Anfahrt zum Paddeln der Oberen Bregenzer Ach aus dem Tal
einen interessanten Anblick bereitete. Wir entscheiden uns für den
höchsten der vier Gipfel, den Holenke (2044 m).
Unser
Touraufstieg bringt uns nach Mellau (688 m), wo wir die Bergbahn Mellau
bemühen uns Richtung Berg zu bringen. Es dauert nicht lange und wir
sind auf knapp 1400 m an der Roßstellenalpe, der Bergstation der 4er
Gondel. Schnell lassen wir das Skigebiet hinter uns, welches eine
riesige Baustelle ist (Bau neue 8er Sesselbahn). Erster Stützpunkt ist
die Kanisalpe von der wir erste Blicke ins benachtbarte Damülser
Skigebiet und Mittagsspitze erhaschen. Der Schnee, ca. 10-15 cm,
knirscht unter unseren Füßen und schon bald sind keine Fußspuren zu
sehen - wir sind allein! Wir genießen die ruhige Stimmung zwischen den
hohen, felsigen Gipfeln bei Sonne und ein paar Wolken. Je höher wir
kommen, scheint es als ob sich hinter uns Nebel und Wolken breit machen
und uns antreiben, weiter in die Höhe zu kommen.
Als
das Gelände steiler wird, haben wir schnell im tieferwerdenden Schnee
den Weg verloren und suchen uns unsere eigene Route. Nur kurze Pausen
werden geduldet, weshalb wir auch schnell Höhenmeter machen. Die
Kehrseite der Medaille ist, dass das Querfeldeingehen Kräfte zehrend ist
und stark an der Kondition nagt.
Etwa
100 Höhenmeter unterhalb des Gipfelgrats sehen wir endlich das Kreuz
auf der höchsten Erhebung der Kanisfluh..... doch es ist noch soo weit
weg. Trotz Sonne ist es etwas ungemütlich: Windgeschwindigkeiten von ca.
50 km/h, eine eisige Kälte die in die durchgeschwitzte Kleidung fährt
und Nebel, der uns droht einzuholen. So leicht wäre umkehren... So
schnell wären wir unterhalb der anderen Gipfel windgeschützt und könnten
unser Mittagsvesper verzehren. Doch zum Glück sind wir zu zweit und
können uns motivieren, weiter zu steigen. Wir wechseln uns ab, den Weg
zu spuren. Der Schnee ist mindestens 25 cm tief und an verblasenen
Stellen einen guten halben Meter. Bei jeder Kuppe ist das Gipfelkreuz
kurz zu sehen und verschwindet wieder hinter der nächsten Kuppe. Der Weg
scheint endlos zu sein, die Schritte werden kleiner..... Aber dann ist
es endlich geschafft. Wir stehen am Gipfelkreuz. Die Freude ist groß,
sind wir doch endlich mal die Ersten oben am Gipfel, und vielleicht auch
die Einzigen. Ein unbeschreibliches Gefühl.
Nach
einer kurzen Rast, einem stärkendem Schluck und einem knappen
Gipfelbucheintrag befinden wir uns schon auf dem Rückweg. Ohne Rücksicht
auf Schnee in den Schuhen oder der Hose, laufen wir mit großen
Schritten im tiefen Schnee den Grat hinunter, wo wir zwei Wanderer
sehen. Enttäuscht frägt der eine uns, ob wir die Ersten waren? JA!
Nervenaufreibend muss es sein in den Fußstapfen der Schnelleren
aufzusteigen. 200 Höhenmeter unterhalb des Grates sehen wir eine weitere
Wandergruppe, die ebenfalls unserem Weg an einer nicht ganz der
Ideallinie entsprechendem Abschnitt nacheifert. Zugegeben, von oben ist
der Weg woanders und vielleicht auch bequemer. Aber das sieht man
leider erst von oben. Auf dem richtigen Weg queren wir unzählige
Wildspuren (schon beim Aufstieg haben wir eine flinke Gämse gesehen).
Relativ
froh sind wir und unsere Beine, als wir wieder auf dem Weg in Richtung
Alpe sind. Die letzten Kilometer zur Mellauer Bergbahn sind auch schnell
gemacht. Leider müssen wir feststellen, dass das Liftpersonal Probleme
mit der Bahn hat und diese bereits seit einer Stunde steht. Nach einigen
Anfahrversuchen fahren die Gondeln wieder ins Tal. Todesmutig steigen
wir in eine der Gondeln und bangen wie noch nie an diesem Tag..... bis
ins Tal!
Schön
wars und eine Wiederholung wert. Ganze 18,4 km Distanz (abzüglich der
Berg- und Talfahrt immerhin noch 14 km), über 700 Höhenmeter (ohne Lift)
und vom Parkplatz weg 4 1/2 h, das entspricht einer
Durchschnittsgeschwindigkeit von immerhin 4 km/h, inklusiv aller Pausen.



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